Im Fechten mit dem Langen Schwert unterscheidet man drei Zeitfenster, in denen man agieren kann. Sie bilden die Basis aller taktischen Überlegungen und sind Entscheidungsgrundlage für Angriff und Verteidigung.

Vor

Im Voraus: In diesem Zeitfenster hat man die Initiative. Beginnt beispielsweise ein Fechter mit einem Angriff, so ist er im Vor im Vergleich zum Gegner. Sollte jedoch der Gegner bereits im Vor also im Angriff sein, hat man die Möglichkeit, in die Vorbereitung des gegnerischen Angriffs (z.B. beim geraden Oberhau während der Hut vom Tag) einen Gegenangriff zu starten. Gelingt dies, so hat man das Vor an sich gerissen.
Vom technischen Aspekt abgesehen benennt diese Bezeichnung aber auch alle Situationen in denen der Fechter taktisch die Initiative hat (siehe oben) und damit das Gefecht kontrolliert.

In den Quellen

Cod. 44.A.8 (‚Danzig‘), 15. Jahrhundert
„Du sollst ihm stets zuvorkommen, sei es mit einem Hieb oder Stich. Wenn du ihm mit einem Hieb zuvorkommst, oder wenn du siehst, daß er dir versetzen muß, arbeite indes geschickt in der Versatzung vor dir mit dem Schwert, oder wende andere Stücke an. So kann er nicht erfolgreich angreifen.“

 

Nach

Im Nachhinein: Hier reagiert der Fechter in der Regel auf die Aktion des Gegners. Hat der Gegner die Initiative, so ist man selbst technisch im Nach, vor allem wenn man ohne eigene Gegenaktion auf die Angriffe des Gegners „wartet“, sie versetzt (pariert), ohne sich selbst dabei in eine vorteilhaftere Lage zu bringen. Wenn man aber nach dem Reagieren auf einen gegnerischen Angriff die Initiative ergreift und selbst einen Gegenangriff führt, so hat man über das Nach das Vor an sich gerissen. War dies von Anfang an Teil der eigenen Taktik, dann war man zwar technisch im Nach, taktisch jedoch im Vor. Prinzipiell sollte man versuchen, nicht ins taktische Nach zu geraten.

In den Quellen

Cod. 44.A.8 (‚Danzig‘), 15. Jahrhundert
„Das Nach sind die Brüche gegen alle Stücke und Hiebe, die man gegen dich richtet. Das ist so zu verstehen: Wenn er dir mit dem Hieb zuvorkommt und du im diesen versetzen mußt, so arbeite indes mit deiner Versatzung geschickt mit dem Schwert zu der nächsten Blöße. So brichst du ihm sein Vor mit deinem Nach.“

 

Indes

Indes steht für „im gleichen Zuge“. Meist ist dies ein Fechttempo – die Zeitspanne, welche der Fechter für eine Aktion benötigt. Wenn z.B. die Waffe des Gegners pariert wird und zugleich die eigene trifft, dann ist der Verteidiger im Indes. „Im gleichen Zug“ kann aber auch eine Aktion sein, die übergangslos auf eine andere folgt, wie z.B. ein Stoß nach einer Parade, welche diesen bereits vorbereitet. Das Indes kennt keine Verzögerung, kein Warten, was prinzipiell im Fechten überaus wichtig ist. In den Fechtbüchern ist das Indes „das Zentrum aller Fechtkunst“.

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