Die Beinarbeit ist in der europäischen Fechtkunst von zentraler Bedeutung. Bei Waffen ab ca. 1m Länge handelt es sich um eine distanzorientierte Kampfkunst. In der Tradition Liechtenauers richtet sich der Fokus in der Klingenarbeit auf den Ort. Somit ist das Distanzhandling von zentraler Bedeutung!

Im modernen Fechttraining sollte der Beinarbeit daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Fechtschritt

beinarbeit-fechtschrittVor (im Bild links): Aus der Fechtstellung heraus wird der vordere Fuß ca. eine Fußlänge nach vorne bewegt. Nach dem Aufsetzen, rückt der hintere Fuß nach. Die Füße sollte man nicht am Boden schleifen lassen und der ursprüngliche Fersenabstand muss bei Erreichen der Fechtstellung wieder hergestellt sein. Die Beinbewegung sollte auf keinen Fall in vertikaler Richtung auf den Körper übertragen werden (kein Auf und Ab).

Zurück (im Bild rechts): Aus der Fechtstellung wird der hintere Fuß ca. eine Fußlänge nach hinten bewegt. Nach dem Aufsetzen, rückt der vordere Fuß nach. Es gelten die gleichen Vorgaben wie beim Schritt vor.

Video:

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In den Quellen

Hs.3227a (‚Döbringer‘), 14. Jahrhundert
„Du sollst Mass haben in deinem Fechten und sollst nicht zu weit gehen, so dass du dich besser zu einem weiteren Schritt – nach hinten oder nach vorne – erholen kannst. Oft ist es angebracht, zwei kurze Schritte anstatt einem Langen zu machen, und oft auch, das einer ein Läufchen machen muss mit kurzen Schritten oder das er einen guten Schritt oder Sprung tun muss.“

 

Wechselschritt (linear)

beinarbeit-wechselschrittVor (im Bild links): Hierbei wechselt der hintere Fuß nach vorne, während der andere auf der Stelle dreht. Hüfte und Schulter drehen such um 90°. Auch wird die Waffe auf die innere Seite (Bauchseite) mitgenommen. In der Regel verlagert sich die eigene Gefechtslinie (Standlinie) um eine Fußlänge. Der Wechselschritt begleitet viele Techniken und gibt ihnen die nötige Bewegungsenergie. Die Bewegung sollte nicht in vertikaler Richtung auf den Körper übertragen werden.

Zurück (im Bild rechts): Hierbei wechselt der vordere Fuß nach hinten, während der andere an der Stelle dreht. Es gelten die gleichen Vorgaben wie beim Wechselschritt vorwärts.

Video:

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In den Quellen

Sigmund Ringeck, Mscr.Dresd. C487, 15.(evtl. 16.) Jahrhundert
„Willst du von der rechten Seite schlagen, so achte darauf, daß dabei dein linker Fuß vorne steht, wenn du von links schlagen willst, dann der rechte Fuß. Wenn du dann den Oberhau von rechts schlägst, dann folge dem Hieb mit dem rechten Fuß nach. Tust du das nicht, ist der Hieb falsch und unwirksam, denn deine rechte Seite bleibt hinten. Darum wird der Hieb zu kurz und kann seine richtige Bahn zur linken Seite nicht nehmen. Ebenso: wenn du von der linken Seite haust […] Dann werden dir alle Techniken gelingen. Genau so sollst du alle Hiebe schlagen.“

 

Wechselschritt (nicht linear)

wechselschritt-variantenDie nichtlineare Variante ist eine Sonderform, bei welcher der vordere Fuß leicht seitlich von der Gefechtslinie aufsetzt. Der hintere Fuß bleibt stets auf der Gefechtslinie, bzw. wird dort wieder positioniert.
Vorteil: Man kommt in einen günstigeren Winkel zum Gegner und kann sich selbst besser hinter der eigenen Waffe positionieren. Vor allem bei Hieben ins Hängen kann dies sinnvoll sein.
Nachteil: Die Reichweite nimmt etwas ab, was bei Gegnern mit guter Beinarbeit schnell spürbar wird.
Prinzipiell gilt: Keine Variante (linear oder nicht linear) ist „besser“. Es kommt auf die Situation an und das Verhalten des Gegners.

Kreuzschritt

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Ausfallschritt

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